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(Empirische) Ethik

Die hier vorgestellten Projekte haben on der Regel entweder einen empirischen oder einen normativen Fokus, wobei aber meist beide Aspekte eine gewisse Rolle spielen. Die Projekte in der Frühphase ergaben sich aufgrund meines Forschungsaufenthalts in Notre Dame.

Projekte können sich in Teilprojekte gliedern, die jeweils separat vorgestellt werden.

(Letztes Update 03.02.15)

WIRD DERZEIT NICHT AKTUALISIERT - SIEHE DAZU WEBSITE DER NET-FORSCHUNGSGRUPPE

 

 

Aufgegleiste Projekte:

  • Moralentwicklung
  • EMOtive
  • Gründe in Dilemmas

Laufende Projekte:

  • Werteräume
  • Moralische Intelligenz
  • Intellectual Humility
Abgeschlossene Projekte:
  • Naturalisierung ethischer Begriffe.
  • Verantwortung in komplexen Systemen

 

Projekt: Serious Moral Games

Das Projekt wird durch ein Stipendium der Universität Zürich an der University of Notre Dame unterstützt. Pilotstudie erfolgte im Rahmen des Projekts DBS & Moral Agency

Derzeit Weiterführung im Rahmen eines SAMW-Projektes

Das Projekt „Serious Moral Games: Szenario-Entwicklung und -Validierung“ will ein neues Instrument für experimentelle Ethik schaffen, das eine realitätsnahe und kultursensitive Erforschung des moralischen Urteilens und Handelns ermöglicht. Basierend auf einer durch den Antragsteller umgesetzten Pilotstudie (zusammen mit Game Design Fachleuten der Hochschule für Kunst Zürich) und unter Einbezug aktueller Erkenntnisse der Moralpsychologie sollen modular zusammensetzbare Test-Szenarien entwickelt und validiert, sowie in ein parallel zu entwickelndes Gameplay integriert werden. Durch ein „philosophisches Peer Review“ ausgewiesener Fachleute der experimentellen Ethik wird sichergestellt, dass die Komplexität des moralischen Urteilens angemessen berücksichtigt wird.

Resultat ist ein umsetzungsfertiges Design eines Serious Moral Games (SMG) verknüpft mit einer Realisierungsplanung (mit Blick auf Programmierung etc.) sowie wissenschaftliche Publikationen, die aus der experimentellen Validierung der Szenarien resultieren. Das SMG soll den gängigen Methodenapparat der Moralforschung (der sich u.a. auf „Tests“ wie z.B. dem Trolley-Dilemma abstützt) wesentlich erweitern. Modularität soll Anpassungen an spezifische Fragen (z.B. den Effekt von Framing, Zeitdruck in Entscheidungsprozessen) erlauben. Das durch den Spielcharakter anwenderfreundliche Setting soll es erlauben, unterschiedliche Gruppen von Probanden anzusprechen und den „Bias“ der aktuellen Forschung (resultierend aus der Tatsache, dass Verhaltensexperimente vorab mit Studierenden umgesetzt werden) abmildern. Zudem soll im Rahmen des Projektes untersucht werden, inwieweit ein solches Serious Moral Game als Instrument für Moralbildung benutzt werden kann.

Dieses Projekt soll im Rahmen einer Fellowship an der University of Notre Dame in den USA umgesetzt werden. Grund der Standortwahl ist, dass am dortigen Psychologischen Institut und im Umfeld der „Collaboration for Ethical Education“ international renommierte Fachleute (u.a. Prof. Darcia F. Narvaez und Prof. Dan Lapsley) in den Bereichen Test-Design in der Moralforschung, Moralentwicklung und Moralerziehung forschen. Zudem besteht ein bereits etablierter Kontakt zum Department of Philosophy der University of Arizona (Prof. Shaun Nichols, experimentelle Ethik), der das „philosophische Peer Review“ sicherstellen wird.
 

 

Partner:

Präsentationen:

Publikationen:


 

Moralische Intelligenz

Moralische Intelligenz für die Praxis: Entwicklung eines Tools für die Erfassung moralischer Sensibilität

Unterstützt durch die SAMW

Moralisches Entscheiden und Handeln in Alltagssituationen beruhen auf spezifischen Fähigkeiten, über die moralische Subjekte (moral agents) verfügen müssen. Basierend auf moralpsychologischen und ethischen Forschungen entwickeln wir derzeit einen theoretischen Rahmen – genannt moralische Intelligenz (moral intelligence) – das diese Fähigkeiten und ihr Zusammenwirken beschreibt und messbar machen soll (Tan-ner & Christen, in preparation). Dies erfolgt mit dem Ziel, dass moralische Subjekte mehr über die internen Bedingungen der eigenen Moralfähigkeit erfahren und gezielt verbessern können.

Eine zentrale Komponente von moralischer Intelligenz ist moralische Sensibilität: die Fähigkeit, morali-sche oder ethische Probleme in Alltagssituationen überhaupt zu erkennen. Gemäss dem mehrstufigen moralischen Entscheidungsmodell von James Rest (1986) stellt moralische Sensibilität die erste Stufe des Entscheidungs- und Verhaltensprozesses hinsichtlich moralischer Fragen dar. Die Relevanz der moralischen Sensibilität liegt auf der Hand: Werden die moralischen Aspekte einer Situation nicht als solche identifiziert, so besteht auch kein Anlass, sich um Fragen des richtigen Tuns zu kümmern.

Trotz der Relevanz der moralischen Sensibilität für ethisches Handeln, wurde diese Komponente in der Forschung und Praxis bislang vernachlässigt. Zwar sind in unterschiedlichen Bereichen – vorab in der Wirtschaftspsychologie und -ethik – im Laufe der Zeit erste Verfahren zur Ermittlung der individuellen moralischen Sensibilität entwickelt worden. Diese sind aber oft stark kontextbezogen und damit nicht ver-allgemeinerbar, anfällig für Verfälschungen, testpsychologisch ungenügend überprüft und knüpfen kaum an neue Erkenntnisse der Moralforschung an (Jordan 2007).

In unserem Forschungsprojekt wollen wir ein Instrument (Tool) für die Ermittlung von moralischer Sensi-bilität entwickeln, das die genannten Schwierigkeiten überwindet und Teil einer umfassenden Theorie moralischer Intelligenz ist. Als Kontext zur Entwicklung des Tools wird dabei moralische Sensibilität in medizinisch-klinischen Fragen gewählt, weil sich dort paradigmatische Probleme für moralische Sensibilität stellen können (u.a. Handeln unter Zeitdruck, Einbezogenheit hochrangiger moralischer Werte sowie dilemmatische Konstellationen unter Einbezug unterschiedlicher Stakeholder). Dieses Tool soll es medizinischen Fachpersonen erlauben, mehr über die Stärken und Schwächen der eigenen moralischen Sensibilität zu erfahren. Es soll sowohl in der Ausbildung von Studierenden als auch in der fachspezifischen Aus- und Weiterbildung in der Medizin Einsatz finden können. Damit wird dem Sachverhalt Rechnung getragen, dass moralisches Handeln in der medizinischen Praxis nicht einfach nur auf Wissen über ethische Theorien, Werten etc. beruht, sondern auch die psychologischen Bedingungen der eigenen Moralfähigkeit berücksichtigen und diese zum Gegenstand von Aus- und Weiterbildung in Medizinethik machen sollte.

Das Projekt geht von vielversprechenden Kandidaten neuerer, aus der Wirtschaftspsychologie stammender Testverfahren für moralische Sensibilität aus. Diese werden in einem ersten Schritt übersetzt und mit Blick auf die Spezifika ethischer Problemstellungen aus der Medizin adaptiert. In einem Pilot werden diese In-strumente mit unterschiedlichen Personengruppen (Medizinstudierende, Medizinethiker) getestet, um gene-relle Aspekte von medizinspezifischen Aspekten moralischer Sensibilität zu unterscheiden und um erste Anhaltspunkte zur Testvalidität zu gewinnen. In einem zweiten Schritt wird mittels Laborexperimenten die Testvalidität detailliert ermittelt – dies auch unter Einbezug impliziter Testparameter und mit Blick auf unsere Theorie moralischer Intelligenz. In einem dritten Schritt wird das Design für die praktische Umset-zung des Tools definiert, so dass dieses z.B. in der Ausbildung von Medizinstudierenden eingesetzt werden kann. Dabei wird auch untersucht, inwieweit eine Einbindung in ein so genanntes Serious Moral Game (ein Computerspiel zur Ermittlung/Förderung von moralischer Intelligenz) möglich ist – ein dank eines früheren Beitrags des KZS-Fonds der SAMW initiiertes und derzeit von der Universität Zürich gefördertes, internationales Projekt (in Zusammenarbeit mit der University of Notre Dame, USA). Die Tatsache, dass ein Antragsteller mit einer renommierten Vertreterin der Moralpsychologie arbeiten wird, ist für das genannte Projekt in zweierlei Hinsicht bedeutsam: einerseits können wir auf ein ausgewiesenes „Peer Review“ unserer Forschungen zurückgreifen und andererseits können wir eine interkulturelle Validierung unseres Tools mit Versuchspersonen aus dem Umfeld der University of Notre Dame durchführen.

Das Forschungsprojekt ist eingebettet in eine umfassende Initiative der Antragsteller zur Förderung der Forschung zur moralischen Intelligenz. Der Antrag zeigt auf, wie die angefragte Förderung durch den KZS-Fonds der SAMW mit den anderen Projektteilen zusammenwirken und dazu beitragen soll, die Fähigkeit des moralischen Handelns besser zu verstehen und in professionellen Kontexten mittels geeigneter Tools zu fördern.

  Partner:
  • Carmen Tanner, Universität Zürich
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Publikationen:


 

Die Rolle von Gründen in tragischen Dilemmas

Ein Unterprojekt im Rahmen der Entwicklung des "Reason-Tests".

 

  Partner:
  • Darcia Narvaez, University of Notre Dame
  • Mark Alfano, University of Oregon

Präsentationen:


Publikationen:


 

Moralentwicklung und frühkindliche Erfahrung

In diesem Projekt unterstütze ich die Forschungen von Darcia Narvaez (Moral Psychology Lab), deren Gast ich 2011 und 2012 im Rahmen meiner Fellowship an der University of Notre Dame war.

 

  Partner:
  • Darcia Narvaez, University of Notre Dame
Präsentationen:
Publikationen:

 

Intellectual Humility - The elusive Virtue

Funded by the Fuller Theological Seminary

Many traits, such as aggression and extraversion, are obtrusive. An aggressive person tends to engage in characteristic activities, and is willing to admit to his own aggressiveness if it is framed in a neutral or positive way; likewise for a non-aggressive person. An outgoing person tends to engage in characteristic activities, and is willing to admit to her own extraversion if it is framed in a neutral or positive way; likewise for a shy person.

Other traits of character, such as humility and its intellectual counterparts, are elusive. If he thinks someone is watching and evaluating, an intellectually vain person will tend to engage in activities that make him seem intellectually humble, and will not be willing to admit to his vanity. If she thinks someone is watching and evaluating, an IH person will tend to engage in quite similar activities, and may even hesitate to attribute IH to herself. This leads to a kind of paradox: the more intellectually humble you are, the less you will be inclined to mention or insist on your own intellectual humility.

To reach an empirically usable and conceptually adequate conception of intellectual humility, we will develop three measures: explicit, implicit, and behavioral scales of intellectual humility. The explicit measure uses the standard self-report paradigm from personality psychology, in which participants are prompted to agree or disagree with a series of statements about themselves, and then the pattern of their responses is factoranalyzed. Since intellectual humility is elusive, we doubt that the explicit measure suffices on its own. For the implicit measure of intellectual humility, we will develop a new implicit association test (IAT) that measures participants’ automatic associations between their self-concepts on the one hand, and the concepts of intellectual humility, intellectual arrogance, and intellectual diffidence on the other hand. Because it cannot be gamed as easily as a self-report scale, we expect this to provide a better perspective on IH. The behavioral measure is born of the idea that intellectually humble people react in characteristic ways to disagreement. They treat disagreement neither as a threat nor as a decisive reason to revise their beliefs, but as a reason to reinvestigate the evidence for their beliefs. They will tend to revise, therefore, when and only when their initial belief was incorrect or unsupported. To operationalize this idea, we will develop a series of questions that tend to provoke fallacious reasoning; participants will answer these questions, then be offered a chance to revise in light of peer disagreement. Those who rarely revise, even when they are wrong, will be designated intellectually arrogant; those who always revise, even when they are right, will be designated intellectually diffident; only those who revise towards the truth will be designated intellectually humble.

These scales will shed light from multiple perspectives on a given person’s intellectual humility. We hypothesize that the IAT measure will be a stronger predictor of the behavioral measure than the explicit measure, and that the IAT will moderate the predictive power of the behavioral measure

Project Website

  Partner:
  • Mark Alfano, University of Oregon
  • Daniel Lapsley, University of Notre Dame
  • Phil Mayo, University of Oregon
  • Brian Robinson, Grand Valley State University
  • Paul Stey, University of Notre Dame

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Quantifizierung von Werteräumen

Thesaurus-based value maps

Ein laufendes Projekt zur Generierung von Wertekarten aufgrund von Thesaurus-Datenbanken.

 

   Partner:
  • Darcia Narvaez, University of Notre Dame
  • Thomas Ott, ZHAW


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Quantifizierung von Werteräumen

Cogito-Foundation-Projekt: Entwicklung eines Masses für die Kohärenz von Wertesystemen

Unterstützt durch die Cogito-Foundation

Die Kohärenz eines Wertesystems gilt innerhalb der philosophischen Ethik wie auch in weiteren gesellschaftlichen und politischen Diskussionskontexten als ein wesentliches Desideratum bei der Beurteilung von Begründungen und auch der Glaubwürdigkeit eines Diskursteilnehmers. Ebenso gelten Unvereinbarkeiten zwischen verschiedenen Wertesystemen – also fehlende Kohärenz – als tiefere Ursache für zahlreiche Konflikte, welche die Moderne prägen. Was „Kohärenz“ aber genau meint ist oft nicht klar und – wenn überhaupt – nur durch eine umfassende, qualitative Analyse der Problemlage zu ergründen.

Diese oft fehlende begriffliche Schärfe und ungenügende Operationalisierbarkeit des Kohärenzbegriffs ist ein Problem für die philosophische Ethik, in welcher kohärentistische Ansätze derzeit grosse Wertschätzung haben. Unklar ist insbesondere, was genau mit der Aussage gemeint ist, ein Wertesystem sei „kohärent“. Zudem ist im lebenspraktischen Diskurs eine umfassende Kohärenz ein unrealistisches Erfordernis an die Wertesysteme von Individuen oder sozialen Institutionen. Vielmehr ist ein Kohärenzbegriff, der „Grade“ von Kohärenz zulässt und einen klaren Begriff von „Stabilität“ eines kohärenten Systems hat, angemessener.

Um diese Einwände aufzunehmen, schlagen wir vor, den Kohärenzbegriff mit dem von der Spin-Physik inspirierten Paradigma des selbstorganisierten Clustering anzureichern und operationalisierbar zu machen. Clustering – grob verstanden als ein bottom-up-Verfahren zur Klassifizierung komplexer, meist in naturwissenschaftlichen Kontexten gewonnenen Daten – soll damit für eine geisteswissenschaftliche Fragestellung fruchtbar gemacht werden. Wir gehen dabei davon aus, dass die Elemente eines Wertesystems (Prinzipien, Werte, Urteile, Einzelfall-Überzeugungen), dessen Kohärenz untersucht werden soll, als schriftliche Aussagen vorliegen (bzw. in diese Form gebracht werden können) – einzelne Texte also die „Daten“ darstellen. Unter Nutzung der computational linguistics soll ein Mass entwickelt werden, dass die „Nähe“ unterschiedlicher Texte quantifiziert und damit diesen „Textraum“, der das Wertesystem abbildet, dem Clustering zugänglich macht. In diesem Paradigma finden Aspekte wie „Grade von Kohärenz“ und „Stabilität eines Kohärenzsystems“ eine klare Interpretation.

Unser Projekt gibt der empirischen Moralforschung ein Instrument in die Hand, um beispielsweise die Bedeutung der Kohärenz von Wertesystemen handelnder moralischer Agenten quantitativ zu erfassen. Entsprechend soll dieses Projekt in laufende Forschungen der Antragsteller eingebunden werden. Zudem hat das Projekt das Potential, Beiträge zu grundlegenden Fragen der Informationsgesellschaft zu liefern (z.B. selbstorganisierte Klassifizierung von grossen Texträumen wie etwa Archive). Im Rahmen dieses Antrags wird im Wesentlichen das design to use des Clustering-Algorithmus finanziert, während die anderen Arbeiten im Rahmen laufender Projekte abgewickelt werden können. Das damit generierte Produkt steht dann auch anderen Forschenden zur Verfügung, so dass ein zusätzlicher Mehrwert unabhängig von den Resultaten dieses Projektes erreicht wird.

   Partner:
  • Thomas Ott (Physik, Statistik; Institut für Angewandte Simulation, ZHAW, Wädenswil)
  • Ruedi Stoop (Physik, Mathematik; Institut für Neuroinformatik, Uni/ETH Zürich)
  • Daniel Schwarz (Politologie, Politools - Political Research Network, Universität Bern).


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Verantwortung in komplexen Systemen

The responsibility-gap in self-organized social systems: can empirical approaches in modeling social science and neuroeconomics help to close it?

Modern societies in times of crisis experience an inflated appeal to “responsibility” towards function owners within social, political or economic systems. This appeal conflicts with the owner’s actual intervention possibilities to control the system – in particular, if these systems emerge from self-organized dynamics of interacting agents (individuals as well as collective agents, e.g. teams in companies, departments in administrations, political communities). Such a dynamics is inevitable if fundamental principles of liberal societies (free market, democratic elections) are enforced, but they lead to social structures in which responsibility-relations are often not made explicit, compared e.g. to the bureaucratic model of administration organization. I call this divide between the appeals of responsibility on the one hand and the control-possibilities founded in explicit responsibility-relations on the other hand, the responsibility gap.

This responsibility gap is a fundamental problem of modern societies: Surely, the philosophical concept of responsibility has been expanded in space (collective responsibility) and time (prospective responsibility), what generated new candidates for responsibility-attribution. However, the problem of the legitimacy of this attribution remains unsolved, because the concept of responsibility roots in an individualistic interpretation, where the main entities (object and subject of responsibility as well as a defined control-structure offering the ability to actually exercise responsibility) are clearly identifiable. But in self-organized social systems, the identification of these entities is difficult, although the need to map these entities to a “responsibility-structure” (i.e. a model of the system that makes responsibilities explicit, e.g. an organization chart in a company) accumulates – probably as a result of increasing intransparency. The problem is, that either the effort to create this responsibility-structure may become too large, which offers an incentive to create “fake models” of responsibility with responsibility-bearers that only serve as scapegoats. Or a strict control-regime is implemented towards self-organization that may undermine basic values of western societies.

This contribution assesses, to what extend research in modeling social science (offering a macro-perspective on many interacting agents using game-theoretic models) and neuroeconomics (focusing on individual decision-making and the emergence of social preference using methods from neuroscience) can help to understand and close this gap. It is argued that currently, the methods fail to incorporate the problem of responsibility. The contribution offers suggestions how to address the responsibility gap in self-organized social systems within these disciplines.

  Partner:

 

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Naturalisierung ethischer Begriffe

Probleme der Naturalisierung von Autonomie

Autonomie ist ein Zentralbegriff der Moderne. In der Philosophie spielt der Begriff eine massgebliche Rolle vorab in der Ethik, der Rechtsphilosophie und der politischen Philosophie. In all diesen  Bereichen bringt Autonomie das Freiheitsbewusstsein und Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen bzw. von Gruppen von Menschen zum Ausdruck. Autonomie gilt im weiteren als unabdingbare Komponente für die theoretische Fundierung einer (meist) kantianisch gepr¨agten normativen Ethik. Zudem spielt er eine Schlüsselrolle in der angewandten Ethik, beispielsweise in der Medizin (Stichwort Autonomieprinzip). Man kann also festhalten, dass der Autonomiebegriff in einem wesentlichen Sinn unser heutiges Verständnis von Philosophie bzw. einige ihrer wichtigen Teilbereiche prägt.

Demgegenüber bilden neuere naturwissenschaftliche Erkenntnisse über die Natur der Autonomiefähigkeit – gewonnen vorab in den Neurowissenschaften – und tiefere Einsichten in die gegenseitige Abhängigkeit von Akteuren in einer modernen, durch die wirtschaftliche Globalisierung geprägten Gesellschaft eine schwerwiegende Herausforderung f¨ur den klassischen Autonomiebegriff. Es stellt sich hierbei insbesondere die theoretisch bedeutsame Frage, inwieweit das zunehmende Wissen über innere Determiniertheit und Abhängigkeiten autonomer agents sowie über deren Beeinflussung durch Beziehungsstrukturen, etwa erfassbar durch die Theorie sozialer Netze, den Begriff der Autonomie selbst tangieren. Unter Einbezug jener technischer Forschungen mit dem Ziel der Konstruktion künstlicher autonomer Systeme wird damit insgesamt ein Projekt einer Neuformulierung des Autonomiebegriffes sichtbar, der die philosophischen Aspekte von Autonomie

beiseite schiebt. Der vorliegende Beitrag plädiert daf¨ur, dass diese Erkenntnisse aus den Natur- und Sozialwissenschaften die Schaffung einer neuen Theorie der Autonomie verlangen. Diese Theoriebildung ist aber eine zentrale philosophische Aufgabe und kein rein natur- bzw. sozialwissenschaftliches Projekt, weil der Autonomiebegriff eine inhärent normative Komponente beinhaltet – beispielsweise in dem Sinne, dass Grade der Autonomie von agents mit einer unterschiedlich umfassenden Zuschreibung von Verantwortung an diese agent einhergeht.

Zudem hat die theoretische Schärfung des Autonomiebegriffs eine enorme praktische Bedeutung angesichts der vielfältigen Versuche, die Grundlagen des menschlichen Verhaltens zu erklären, um damit den Menschen letztlich einer Kontrolle durch eine ausgefeilte Sozialtechnologie zugänglich zu machen. Am Beispiel der Autonomie lässt sich demnach zeigen, wie eine spezifisch philosophische Begriffsbestimmung durch andere wissenschaftliche Entwicklungen angegriffen worden ist und wie eine gleichsam ‘philosophische Antwort’ auf diese Herausforderung gegeben werden kann.

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Naturalisierung ethischer Begriffe

The (limited) space for justice in social animals 

While differentialists deny that non-linguistic animals can have a sense of justice, assimilationists credit some animals with such an advanced moral attitude.We approach this debate from a philosophical perspective. First, we outline the history of the notion of justice in philosophy and how various facets of that notion play a role in contemporary empirical investigations of justice among humans. On this basis, we develop a scheme for the elements of justice-relevant situations and for criteria of justice that should be fruitful in studying both humans and animals. Furthermore, we investigate the conceptual connections between a sense of justice, on the one hand, and various other mental powers, on the other, and indicate which of the latter may be beyond the ken of animals. Next, we consider recent empirical research on justicerelated phenomena in animals. We argue for an intermediate position: While animals can at least in principle satisfy some preconditions of justice (intentional action, rulefollowing), others are problematic, notably possessing a notion of desert. A space for justice in social animals exists, yet it is rather limited compared to the rich cultures of justice in humans. Finally, we reflect on some actual or alleged implications of research on animal justice. As regards justice in humans, one should avoid a simplistic image of ‘‘natural justice’’ as boiling down to equal allocation of goods. As regards justice for animals, one should be weary of the contractualist assumption that only those capable of justice themselves are deserving of ‘‘just’’ treatment.

   Partner:
  • Hanjo Glock, Universität Zürich

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