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Gibt es eine „Ethik des (zu viel) Essens“?

Das Phänomen Adipositas ist eingebettet in ein komplexes Netz faktischer, normativer und kulturgeschichtlicher Aspekte. In faktischer Hinsicht gilt es etwa zu klären, ab wann man berechtigterweise von Übergewicht sprechen kann, welche Ursachen hier eine Rolle spielen (insbesondere Faktoren wie Genetik und Lebensweise) und welche (positiven und negativen Folgen) mit Übergewicht oder gar Adipositas einhergehen. In normativer Hinsicht stellen sich die Fragen, inwieweit das Essverhalten Gegenstand persönlicher Freiheitsrechte (und einer damit verbundenen Eigenverantwortung) ist, wie weit ein (staatlicher) Paternalismus zur Prävention von Adipositas reichen darf und wie Stigmatisierungen aufgrund eines zu hohen Körpergewichts zu bewerten sind. In kulturgeschichtlicher Hinsicht schliesslich stellt sich die Frage, welches die Gründe der Veränderung in der Bewertung von Fettleibigkeit in unterschiedlichen Zeiten sind und welche Verbindung zur jeweiligen Ess- und Bewegungskultur besteht.

Am Problem der Adipositas zeigt sich beispielhaft die enge Verflechtung dieser Aspekte in Fragen, die ein breites gesellschaftliches Phänomen betreffen. Dies sei an einigen Punkten exemplarisch aufgezeigt:

Wie kann nun eine ethische Betrachtungsweise auf diese komplexe Problemlage reagieren? Idealtypisch lassen sich wohl zwei Perspektiven unterscheiden, die ihrerseits mit einem ganzen Bündel an normativen, faktischen und kulturgeschichtlichen Aspekten einhergehen. Man kann diese beiden Perspektiven wie folgt skizzieren:

Gewiss sind beide Perspektiven überzeichnet, sie finden sich so kaum in der faktischen Diskussion. Sie machen aber klar, dass ein Problem wie Adipositas nicht durch ein „ethisches Patentrezept“ gelöst werden kann. Übergewicht ist nur ein Symptom einer Lebensweise, in der sich positiv und negativ bewertete Aspekte gleichermassen finden lassen. Inwieweit die Suche nach einer Balance primär aus der Perspektive des Individuums oder aber aus der Perspektive der Gesellschaft geschehen soll, dürfte hier die zentrale ethische Frage sein.


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