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Forschungsschwerpunkte markieren die neue Schweizer Wissenschafts-Landkarte

Die Vergabe der zehn neuen nationalen Forschungsschwerpunkte (NFS) markiert die aktuellen und kommenden Konturen der Schweizer Wissenschaftslandschaft: Förderung der Life-Sciences in den Regionen Genfersee und Zürich, Etablierung der Klimaforschung in Bern, der Neurowissenschaft in Zürich und der Nanotechnologie in Basel. Der medizinischen Forschung wird besondere Beachtung geschickt.

Mitte Dezember ist der lang erwartete Entscheid über die neuen nationalen Forschungsschwerpunkte (NFS) gefallen. Damit wird ein neues Instrument der Schweizer Forschungsförderung ins Leben gerufen, welche zu einer „Kette der Innovation“ führen soll, wie Staatssekretär Charles Kleiber an der Pressekonferenz in Bern sagte. Zehn Forschungsschwerpunkte werden mit Bundesmitteln von insgesamt 126 Millionen Franken für die nächsten drei Jahre unterstützt. Die totale Laufzeit der Projekte beträgt acht bis zehn Jahre. Für die Realisierung von vier weiteren Schwerpunkten will der Bundesrat beim parlament ein Sonderkredit von 30 bis 35 Millionen beantragen. Vier der insgesamt 18 in die Endrunfe geratenen projekte wurden abgelehnt.

Die nationalen Forschungsschwerpunkte bestehen aus einem Kompetenzzentrum (sog. „leading house“) an einer schweizerischen Universität oder einer anderen hochschulnahen Forschungseinrichtung und einem Netz von Partnerinstituten. Die Knoten des Netzes reichen bis in die Fachhochschulen, in die Industrie und zu internationalen Partnern. Die NFS werden jeweils über dem Zeitraum von zehn Jahren mit jährlich zwei bis sechs Millionen Franken unterstützt, müssen sich dabei aber einer regelmässigen Evaluation stellen.

Die Life-Sciences gehören zu den Gewinnern der Vergabe der NFS: fünf der zehn Schwerpunkte lassen sich diesem Bereich zurechnen. Sie erhalten mit 62,9 Millionen Franken auch knapp die Hälfte der 126 Millionen Franken an Bundesmittel, welche für die Periode 2001 bis 2003 gesprochen wurden. Dabei wird die Schwerpunktverlagerung weg von Basel hin zu den neuen Zentren in der Region Lausanne-Genf sowie in Zürich deutlich. Die Westschweiz ist mit fünf Schwerpunkten und einem Förderungsvolumen von 68 Mio. Franken überdurchschnittlich stark vertreten.

Medizin ist stark vertreten

Drei Schwerpunkte widmen sich medizinischen Anwendungen: Mit 15,3 Millionen Franken erhält der Schwerpunkt „Molekulare Onkologie – von der Grundlagenforschung hin zu therapeutischen Anwendungen“ von Michel Aguet am meisten Bundesmittel. Sogenanntes „Leading House“ des Schwerpunkts ist das Schweizerische Institut für experimentelle Krebsforschung. Mehrere weitere Institute sind am Schwerpunkt beteiligt, so das renommierte Ludwig Institut in Lausanne. Der Schwerpunkt will durch die Erforschung der molekularen Ursachen der Krebsentstehung neue therapeutische Ansätze entwickeln und zudem dazu beitragen, dass die Krebsforschung in der Schweiz nach einer Zeit von Mittelknappheit für junge Schweizer Forscher als attraktives Tätigkeitsfeld erhalten bleibt.

Die Zürcher Neurowissenschaft erhält ebenfalls einen medizinisch orientierten Schwerpunkt. Unter der Leitung von Hanns Möhler (Universität Zürich) soll „Neuronale Plastizität und Reparatur“ erforscht werden. Von dieser Forschung sollen dereinst Opfer von Hirnerkrankungen und Rückenmarksverletzungen profitieren. Dieses Projekt erhält übrigens nebst den 12,3 Mio. Franken Bundesmittel nahezu 40 Mio. Franken Drittmittel und ist damit der teuerste Forschungsschwerpunkt.

An der ETH Zürich (Gabor Székely) wird der dritte medizinorientierte Schwerpunkt „Computerunterstützte, bildgeführte medizinische Interventionen“ mit 12,7 Mio. Franken unterstützt. Dabei sollen unter anderem neue Simulationstechniken für Operationen entwickelt werden, welche Eingang in die Ausbildung von Medizinern finden sollen.

Gen- und Proteinforschung im Vormarsch

Der weltweite Siegeszug der Gen- und Proteinforschung zeigt sich auch in der Auswahl entsprechender Schwerpunkte: An der Universität Genf (Denis Duboule) wird der zweite Life-Science Schwerpunkt der Region Genfersee – „Gene, Chromosomen und Entwicklung“ – mit 14,2 Millionen Franken unterstützt. Der Schwerpunkt soll zum Aufbau eines Forschungszentrums, eines Zentrums für Technologieentwicklung und eines Ausbildungszentrums führen. Erforscht werden die aktuellen Themen Genomik und Proteomik sowie neue Methoden zur optischen Darstellung von Zellstrukturen.

Der Zürcher Life-Science-Schwerpunkt „Molekulare Life Sciences: Dreidimensionale Strukturen, Faltung und Interaktionen“ (Markus Grütter, Universität Zürich) erhält 10,5 Mio. Franken. Er befasst sich mit strukturbiologischen Fragestellung wie die Aufklärung der Struktur von membranproteinen und supramolekularen Komplexen. Damit sollen Grundlagen für das strukturbasierte Wirkstoffdesign und damit für die zielgerichtete Medikamentenentwicklung geschaffen werden.

Ein weiterer Life-Science-Schwerpunkt nennt sich „Pflanzenschutz in landwirtschaftlichen und naturnahen Ökosystemen“ und ist an der Universität Neuenburg (Martine Rahier) angesiedelt. Die dort gewonnenen Forschungsergebnisse sollen die Nachhaltigkeit der landwirtschaftlichen Praxis, den Ernteerrtag, den Pflanzenschutz sowie den Schutz naturnaher Ökosysteme verbessern helfen. Der Schwerpunkt erhält Bundesmittel in der Höhe von 10,6 Mio. Franken.

Mit dem Schwerpunkt „Klima-Variabilität, Voraussagbarkeit und Klima-Risiken“ wird die starke Berner Klimaforschung unterstützt. Der von Heinz Wanner (Universität Bern) geleitete Schwerpunkt erhält 8,2 Millionen Franken. Im Netzwerk sind nebst Bundesforschungsanstalten, Hochschulanstalten und ProClim auch der Rückversicherer SwissRe integriert.

Neue Technologien

Auch die Entwicklung neuer Technologien soll schliesslich nicht zu kurz kommen: In Basel (Hans-Joachim Güntherodt) entsteht der Schwerpunkt „Nanotechnologie – Impulse für Lebenswissenschaften, Nachhaltigkeit, neue Informations- und Kommunikationstechnologien“. er wird mit 14,4 Mio. Franken dotiert. Die Nanotechnologie erlebt derzeit einen unglaublichen Boom und gilt als eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts.

Die ETH Lausanne (Marc Ilegems) erhält 13,6 Millionen Franken zur Realisierung des Schwerpunktes „Quantenphotonik“. Der Einsatz von Lichtquanten dürfte die Kommunikationstechnologie (Informationsverarbeitung und –übermittlung) revolutionieren und gilt deshalb ebenfalls als „heisses Forschungsgebiet“.

An der Universität Genf (Øystein Fischer) sollen im Schwerpunkt „Materialien mit neuartigenm elektronischen Eigenschaften“ die physischen Grundlagen der Elektronik des 21. Jahrhunderts geschaffen werden. Die Entwicklung von neuen Materialen für Datenspeicher, Supraleiter oder Kohlenstoff-Nanoröhren für neuartige Transistoren wird mit 14,3 Mio. Franken unterstützt.

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